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Neue Reihe: Fiktive Gespräche – Teil 1: Friedrich Fröbel

Soziale Arbeit studieren, was bedeutet das eigentlich? Was lernt man da konkret? Wer dazu mehr wissen möchte, für den startet hiermit eine kleine Reihe, die einen Einblick gibt in ein besonderes Lernprojekt des Studiums der Sozialen Arbeit an der AKAD University. Der erste Teil dreht sich um Friedrich Fröbel, der als Begründer des Kindergartens gilt.

“Für die Entwicklung der Reflexion von Wirklichkeitsstrukturen im Dialog verfolgen wir in dieser Interviewreihe ein Konzept im Sinne der Ermöglichungsdidaktik”, erklärt Prof. Dr. Isa-Dorothe Eckstein. “Wir begleiten unsere Studierenden bei diesem aktivierenden Lernprojekt und realisieren geeignete Rahmenbedingungen für individuelle Lernprozesse in Selbstorganisation.”

Steigerung der Selbstlernkompetenz

Es sind jeweils fiktive Gespräche der Studierenden mit einer historischen Persönlichkeit, die mit der Sozialen Arbeit in Verbindung steht. Prof. Dr. Eckstein erklärt, warum diese Aufgabe Teil des Studiums ist: “Mit der Einstellung des Beitrags ihrer ganz persönlichen Auseinandersetzung mit einer frei gewählten historischen Persönlichkeit auf dem Gebiet der Sozialen Arbeit geben wir unseren Studierenden die Chance der Präsentation ihrer vielfältigen Ausarbeitungen, des kommunikativen und erfahrungsbasierten Austauschs untereinander und der damit verbundenen Steigerung der Selbstlernkompetenz.”


Teil 1: Interview mit Friedrich Fröbel

Friedrich Fröbel
Friedrich Fröbel, Bild: gemeinfrei

Interviewer: Guten Tag Herr Fröbel, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für ein Gespräch genommen haben. Sie gelten als Begründer des Kindergartens, der heutzutage nicht mehr wegzudenken ist. Können Sie uns aus den Anfängen berichten, die damalige Situation von Kindern schildern?

Fröbel: Ja gerne. Wir schreiben den Anfang des 19. Jahrhunderts. Meine Mutter verstarb leider kurz nach meiner Geburt und meine Stiefmutter schenkte mir nur sehr wenig Aufmerksamkeit. Als Kind hatte man es zu der Zeit nicht leicht. Die Gesellschaft sah uns Kinder nur als „Miniatur-Erwachsende“, die es galt, schnell zu wirtschaftlich produktiven Personen zu erziehen. Üblich war es, mit sieben Jahren bereits im Bergwerk zu arbeiten. Geburtstagsfeiern für Kinder gab es nicht.

Interviewer: Können wir davon ausgehen, dass Ihre eigenen Erlebnisse in der Kindheit ausschlaggebend dafür waren, dass Sie das Konzept des Kindergartens entwickelten?

Fröbel: Sicher auch, aber noch mehr waren es die Lehren von Pestalozzi, die mich prägten. Ursprünglich wollte ich Architekt werden, da ich mich schon früh mit Geometrie auseinandersetzte und mehr Freude daran hatte als am Lernen von Sprachen.

Interviewer: Wie sind Sie dann mit den Lehren Pestalozzis in Berührung gekommen und inwieweit wurden Sie davon geprägt?

Fröbel: Ich hatte im Alter von 15 Jahren bereits in einer Försterei gearbeitet und entwickelte die Liebe zur Natur. Als ich dann Architektur studieren wollte, riet mir ein Freund, doch Lehrer zu werden. Dies löste in mir den Wunsch aus, diesen Weg einzuschlagen.

Die Schule in Frankfurt, in der ich als junger Lehrer begann zu unterrichten, fokussierte die Lehren Pestalozzis. Später hatte ich sogar das Privileg, direkt unter seiner Leitung in Yverdon agieren zu dürfen.

Er verstand auf faszinierende Weise, dass Kinder ein enormes Potenzial besitzen, gepaart mit einem angeborenen Verlangen zu lernen. Wir forderten viel von den Kindern, unterstützten gleichzeitig ihren Forscherdrang und ihre natürliche Neugier.

Interviewer: Sehr interessant. Ich muss gestehen, den Hang zur Faszination von der Natur teilen wir, wenngleich auch mein eigener Zugang zu Gottes Schöpfung schwindet. Spiegelt sich das auch in Ihren Wertvorstellungen wieder?

Fröbel: Es war die Nähe zum Thüringer Wald, die wunderbare Natur, die mir immer wieder die Schöpfung Gottes vor Augen geführt hat. Die Natur spiegelt jegliches Leben wieder. Alles ist hier miteinander verbunden und voneinander abhängig. Ich kategorisierte Pflanzen und sah es als Spiel an.

Das Spiel aber ist die höchste Stufe der Kindesentwicklung, sie entspricht der Darstellung des Inneren. Der Mensch ist ein kreatives Wesen.

Interviewer: Das ist eine durchaus revolutionäre, indes sehr vorausschauende Ansicht, die ich teile. Zu Ihrer Zeit hingegen zählte das Spiel nur als Zeitvertreib ohne Bedeutung. Was hat Sie dennoch bewegt, das Spielen zu thematisieren?

Fröbel: Das Spielen scheint unnütz, aber es stärkt die Kreativität und bringt die gesamte Vorstellungskraft hervor. Das Bausteinspiel ist dabei nach meiner Einschätzung die wichtigste Art des Spiels, denn es ist Wesensausdruck des Kindes. Diese „Gaben“, wie ich sie nenne, sind für meinen Lehrplan essentiell und mit den entsprechenden „Techniken“ kombiniert, bilden sie das praktische „Be-Greifen“ des Spielens.

Interviewer: In meiner Recherche erfuhr ich, dass Sie in den Gegenständen mehr als nur die Bausteine sehen. Diese verkörpern die Grundbestandteile des Universums und sollen die Symmetrie der Seele symbolisieren. Ist dies so korrekt?

Fröbel: Ganz genau. Über das Spiel des Kindes, das die einzelnen Komponenten zu einem Ganzen zusammenfügt. Das Kind erhält ein Verständnis davon, wie sich das Konkrete zum Abstrakten verhält. Natürlich könnten wir dies noch weiter ausführen.

Interviewer: Gewiss, aber unsere Gesprächszeit ist leider begrenzt. Was war aus Ihrer Sicht Ihre bedeutendste Entwicklung – die Gründung der Schulen oder der Aufbau des Kindergartens?

Fröbel: Aus meiner persönlichen Sicht ist das schrittweise Vorangehen sehr wichtig gewesen. Ein bedeutender Punkt war die Zeit, als ich gemeinsam mit Middendorf und Langenthal die „Allgemeine Deutsche Erziehungsanstalt“ gegründet habe. Später habe ich in der Schweiz weitere Schulen für mein pädagogisches Konzept begeistern können. 1840 eröffnete ich dann den ersten Kindergarten.

Interviewer: War das dann der Beweis dafür, entgegen der landläufigen Meinung, Kinder könnten soziale und intellektuelle Fähigkeiten entwickeln – war der Kindergarten damit die Ablöse der Kinderverwahranstalt?

Fröbel: Das erlebte ich nicht. Preußen erließ dann umgehend ein Gesetz, welches den Kindergarten verbot.

Interviewer: Denken Sie, darin spiegelte sich die Befürchtung, dass Heranwachsende selbstständig denken und Kritik üben können?

Fröbel: Das ist möglich, durch die geistige Entwicklung der Kinder lernten diese genau das, und damit war es nicht mehr zukunftsorientiert, mit sieben Jahren arbeiten zu gehen.

Interviewer: Herr Fröbel, ich danke Ihnen für unser Gespräch, für diesen offenen Austausch.

Anmerkung des Interviewers: Die Schüler und Freunde Fröbels verbreiteten seine Lehren, sein Werk trotz des Verbots in die Welt hinaus. Heute ist der Kindergarten die Norm. Auch für mich persönlich sind sein Wirken und seine Weltanschauung wichtiger denn je, denn die Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft und der Aufschrei unserer Natur brauchen ein rasches Umdenken. Dies wiederum ist meines Erachtens nur gemeinsam mit der jeweils neuen Generation zu leisten.

Autor dieses fiktiven Interviews ist Benjamin Bürger, Studierender im Studienfach Soziale Arbeit.

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