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Master-Studium und Profisport: Johannes Pistorius

Johannes Pistorius ist Badminton-Profi. Er lebt und trainiert in Saarbrücken am dortigen Olympiastützpunkt. Und außerdem macht er gerade seinen Master in Wirtschaftsingenieurwesen an der AKAD University. Ein Gespräch über Sport und Studium, Regeneration, große Ziele und die Flexibilität, eine Klausur auch während eines Turniers schreiben zu können.

Johannes Pistorius | Foto: Andreas Schlichter

Herr Pistorius, Sie sind frisch gekürter Deutscher Mannschaftsmeister im Badminton. Herzlichen Glückwunsch! Wie kann man sich eigentlich den Alltag eines Badminton-Profis vorstellen?

In einer klassischen Trainingswoche trainieren wir zweimal am Tag, außer mittwochs, dann nur einmal. Das heißt: morgens von 8 bis 10:30 Uhr und dann nochmal von 15 bis 17:30 Uhr. Dazu kommen Videoanalysen von den eigenen Spielen, zweimal pro Woche Physiotherapie, Termine mit Sponsoren oder mit den Vereinen. Normalerweise haben wir am Wochenende kein Training, aber wir sind sehr viele Wochenenden verplant durch Bundesliga oder internationale Turniere. Wir sind eigentlich jedes Wochenende woanders auf Wettkampf.

Das klingt nach mehr als einem Vollzeit-Job…

Ja. Und hinzu kommt noch einiges drumherum: Ich achte sehr auf meine Ernährung. Und es ist auch fast normal geworden einen Mittagsschlaf zu machen, damit man nachmittags ausgeruht ist, oder dass man aktiv Regeneration betreibt mit Sauna, Wärmebehandlung oder Eisbad. Das sind dann auch alles Dinge, die recht viel Zeit in Anspruch nehmen und somit ist es insgesamt wirklich eine Vollzeit-Beschäftigung.

Sie sind aber nicht nur Profisportler, sondern auch Fernstudent bei der AKAD. War es von Anfang an klar, dass es nur ein Fernstudium sein kann? Oder haben Sie auch etwas anderes ausprobiert?

Ich bin ja nach dem Abitur nach Saarbrücken gewechselt und habe dann Wintersemester 2014/15 angefangen Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren an der Hochschule, die hier nur fünf Autominuten entfernt ist, so wie es viele Kollegen vom Olympiastützpunkt schon gemacht haben. Das habe ich auch durchgezogen. Es war aber eine sehr harte Zeit. Ich bin morgens ins Training, mittags direkt in die Vorlesung, von da wieder ins Training und habe dann abends alles nachbereitet und gelernt. Ich hatte extrem viel Stress und habe gemerkt, dass es für den Sport nicht ideal ist. Aber es war mir wichtig, um mich beruflich abzusichern. 2019 war ich dann fertig – die Hochschule ließ mir Zeit, das Studium zu strecken. Dann war die Überlegung: Was macht ich jetzt: Nur noch Sport? Probiere ich den Master hier vor Ort? Oder wird es ein Fernstudium, das ja viele Sportler machen?

So kamen Sie zu uns.

Das AKAD-Studium – eine sehr gute Entscheidung

Ja. Es wuchs die Überzeugung, dass es deutlich einfacher ist, den Sport mit dem Fernstudium zu kombinieren als mit dem Präsenzstudium. Und dann war da immer noch der Gedanke, dass es nicht schlecht ist, neben dem Profisport noch etwas für den Kopf zu machen. So habe ich mir dann angeschaut, wo und was ich weiterstudieren könnte. Wirtschaftsingenieurwesen hat mir im Bachelor sehr viel Spaß gemacht. Ich habe mich ein bisschen erkundigt und herumgefragt, dann standen zwei Hochschulen bei mir ganz oben in der Liste. Dadurch, dass die AKAD die vielen technischen Studiengänge im Master anbietet, war sie dann die erste Wahl. Und ich muss sagen, das war bisher eine sehr gute Entscheidung, ich bin sehr zufrieden.

Das freut uns zu hören. Ist es also tatsächlich einfacher für Sie geworden, das Studium und den Sport zu verbinden?

Ja. Wenn ich die Vorteile des Studiums an der AKAD University nennen müsste, dann ist das hauptsächlich, dass ich keine Präsenzzeiten habe, dass ich zwischen Trainingseinheiten oder unter der Woche nicht gebunden bin irgendwo anwesend sein zu müssen. In den Regenerationszeiten zwischen den Trainings wäre es echt problematisch, wenn man noch zwei Stunden in einem Hörsaal oder Seminarraum sitzen müsste. Das ist das eine…

… und das andere?

… das ist, dass man weiß, dass man alle Materialien zur Verfügung hat und nicht mehrmals Leuten hinterherrennen muss, um sich auf eine Klausur vorzubereiten. Das war immer sehr unangenehm und energieraubend für mich.

Mehr Flexibilität bei Klausurplanung

Weil Sie im Präsenzstudium nicht immer anwesend sein konnten?

Genau. Weil ich sehr oft gefehlt habe und gerade in den Vorlesungen vor den Klausuren noch mal viele Informationen mitgegeben wurden. Da habe ich jetzt auch die Gewissheit: ich habe alle Unterlagen und Informationen, die ich brauche. Jetzt habe ich es in der Hand, ob und wie gut ich bestehen kann.

Das ist die Flexibilität, was den Alltag angeht. Und dann war dann noch für mich entscheidend, dass nicht so viele Klausuren auf einmal anstehen. Und dass ich die Termine recht flexibel wählen kann. Im Präsenzstudium war schon problematisch, dass es ein- maximal zweimal im Jahr einen Klausurtermin gab. Und wenn der eben mit einem Turnier oder einer extrem wichtigen Trainingsphase zusammengefallen ist, dann war das eine extrem hohe Stressbelastung und nicht gut für die sportliche Leistung. Das war für mich ein ausschlaggebender Punkt: Ich kann bei der AKAD recht flexibel die Termine wählen und ich bin standortunabhängig. Ich könnte also sagen: Ich bin in Spanien auf einem Turnier, bin sonntags noch da, habe aber keine Spiele. Dann schreibe ich die Klausur eben dort. Oder ich bin irgendwo auf dem Trainingslager und kann auch da die Klausur schreiben, ohne jetzt ein halbes Jahr pausieren zu müssen.

Inwiefern spielt die größere Flexibilität in der Studienplanung eine Rolle?

Es gibt auch im Badminton diese Phasen, wo man extrem viele Turniere hintereinander hat, und dann wieder Phasen mit freien Wochenenden. Bei einem Fernstudium ist es möglich, diese Wochenenden dann zu nutzen für eine Klausur. Bei Präsenzklausuren ist es sehr sehr unwahrscheinlich, dass diese dann genau an diesem Wochenende liegt.

Beim Bundesliga-Spiel. | Foto: Marcus Mehlich

Einfachere Kommunikation mit den Dozenten

Was mir auch sehr gefällt, ist, dass die Kommunikation mit den Dozenten wesentlich einfacher ist. Also dass man sie direkt über den Campus kontaktieren kann und dann wirklich auch zeitnah Antworten bekommt, dass man keine Vor-Ort-Termine mit ihnen ausmachen muss. Man hat wirklich das Gefühl, dass sich um einen gekümmert wird. Das war mir immer extrem wichtig: Dass ich das Gefühl habe, dass es sich, wenn ich den Aufwand schon betreibe, auch auszahlt.

Inwiefern hat sich denn die Corona-Pandemie auf Ihren Sport- und Lern-Alltag ausgewirkt?

Man hatte im vergangenen Jahr relativ lange Ungewissheit. Es gab keine Wettkämpfe zwischen März und September. Aber dadurch, dass wir nie wussten, wann es wieder losgehen kann, haben wir ab Mai eigentlich wieder normal trainiert. Dementsprechend war das Trainingspensum immer noch so hoch wie vorher. Nur die Wochenenden waren nicht mehr so voll, was mir natürlich wieder zugute kam, weil ich einige Assignments schreiben und mich auch erst einmal ins Studium rein finden konnte. Es ist ja doch erst einmal ungewohnt auf einer Onlineplattform zu lernen. Es war also beispielsweise Zeit, die Foren zu durchforsten. Dementsprechend glaube ich, dass ich jetzt an Tempo im Studium gewinnen werde, weil ich die Abläufe kenne, weil ich weiß, wie ich lernen muss. Ich kenne nun auch die Klausuren, also wie sie gestellt werden. Das ist ja am Anfang etwas ungewohnt.

Sie sind durch die Turniere, die ja nun wieder stattfinden, viel auf Reisen. Die Möglichkeit, Klausuren zu schreiben, erwähnten Sie ja bereits, aber wie ist das mit dem Lernen unterwegs?

Ich habe festgestellt, dass es auf Reisen unheimlich von Vorteil ist, dass man die Lernmaterialien elektronisch zur Verfügung hat. Und man sie eben auf dem Laptop oder Tablet unterwegs einfach mal öffnen kann. Dass man, wenn man mal eine halbe Stunde am Flughafen wartet, sagen kann: Jetzt schaue ich mir das einfach mal schnell an für die nächste Klausur. Das ist schon deutlich einfacher, als wenn man sich 200 Seiten Skript ausgedruckt hat und dann einen dicken Ordner mitschleppen muss.

Planen Sie denn Ihr Studium grob vor? Also machen Sie sich einen Plan fürs ganze Jahr?

Das ist schwer. Im Sport planen wir immer halbjährlich, das heißt, wir wissen immer, wie im nächsten halben Jahr die Wettkampfplanung aussieht. Das heißt, für mich ist es nicht sinnvoll, einen mehrjährigen Plan fürs Studium zu machen. Ich plane von Modul zu Modul, von Klausur zu Klausur. Wenn ich die eine Klausur geschrieben habe, schaue ich, wann ich die nächste schreiben könnte und wie viel Zeit ich bis dahin habe. Und schaue dann dementsprechend: Fange ich an oder mache ich eine Hausarbeit oder nehme ich den nächsten Klausurtermin? Das ist immer abhängig davon, wie umfangreich die Turnierplanung ist und wie die Klausur. Natürlich habe ich irgendwie im Hinterkopf, wie viel Rest-Klausuren ich noch habe. Aber der Sport steht an erster Stelle, danach richte ich meine Klausuren und schaue, dass es halbwegs im Rahmen bleibt.

Gerade stand Badminton durch die Olympischen Spiele wieder etwas mehr im Fokus der Öffentlichkeit. Kollegen von Ihnen waren in Tokio dabei. Ihr Lernziel kennen wir. Wie sieht’s bei Ihnen mit den sportlichen Zielen aus? Ist Paris 2024 ein solches?

Ja, Stand jetzt sind die Olympischen Spiele 2024 in Paris schon das Fernziel. Und das nähere Ziel ist, dass mein Doppelpartner und ich bis Ende nächsten Jahres in die Top 50 der Weltrangliste kommen. Wir hatten ein bisschen Verletzungspech, mein Doppelpartner ist ein Jahr ausgefallen. So sind wir relativ weit zurückgefallen, stehen jetzt bei etwa 120. Unsere Top-Platzierung war etwas um die 80. Unter die Top 50 zu kommen ist aber wichtig, um die großen Turniere zu spielen, um sich für die Europa- und Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Das wollen wir schaffen.

Dann wünsche ich Ihnen, dass Ihnen nicht nur Ihr näheres Ziel gelingt, sondern auch das Fernziel greifbar bleibt. Und natürlich weiterhin alles Gute für das Master-Studium. Vielen Dank jedenfalls für die spannenden Einblicke in den Spagat zwischen Profisport und Studium.


Johannes Pistorius, geboren 1995, ist Badminton-Profi. Als Doppelspieler ist er beim 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim aktiv, mit dem Team gerade Deutscher Mannschaftsmeister geworden. Seit 2014 trainiert er am Olympiastützpunkt Saarbrücken, mit dem die AKAD University kooperiert. Zudem spielt er in der Nationalmannschaft. Bei der Team-Europameisterschaft 2021 holte er Bronze, außerdem wurde er 2020 Deutscher Vizemeister im Herren-Doppel. Bei der AKAD University studiert er seit Anfang 2020 Wirtschaftsingenieurwesen (M.Sc.). Mehr Informationen zu ihm, seinem sportlichen Werdegang und seinen nächsten sportlichen Herausforderungen teilt er auch auf seiner Website.

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